Wanderlust

Grüße aus aller Welt

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Unter all den Sehnsüchten, die sich im Laufe der Zeit immer mal wieder in meinem Kopf bemerkbar machen, ist das Fernweh wohl eine der lautesten, drängensten. Mein Leben passt mir nicht mehr richtig, ist mir zu eng, die Wohnung und die Gedanken sind zu vollgestopft und eingestaubt.

Ich möchte gern raus, einfach losfahren, fremde Länder erkunden, Paradiese entdecken, Menschen kennen lernen und wenigstens eine Zeit lang frei sein. Was also tun, wenn ein Urlaub finanziell absolut nicht zu realisieren ist, man diesen Gelüsten aber unbedingt nachkommen will?

Ich habe für mich eine Möglichkeit gefunden, die zwar nicht 100%ig befriedigend ist, aber trotzdem einen Teil des Fernwehs lindern kann. Das Schreiben und Bekommen von Postkarten und Briefen.

Angefangen habe ich mit dem Schreiben von Briefen. Ich erinnere noch, dass damals im Fernsehen ein Beitrag darüber kam, dass ein kleiner Junge eine jahrealte Flaschenpost im heimischen Weiher gefunden hat und die Eltern tatsächlich den Absender ermitteln konnten. Ich dachte: „Das will ich.“ Also, natürlich nicht Flaschenbriefe in irgendwelche Gewässer zu werfen. Viel eher, mit fremden Menschen irgendwo auf der Welt Kontakt aufzunehmen und einander kennen zu lernen. Die Idee war schnell wieder vergessen, doch irgendwann auch wieder da – hartnäckig und irgendwie immer präsent im Hinterkopf. Also habe ich gegoogelt, eigentlicht nur mit einer vagen Vorstellung davon, dass ich wahrscheinlich sowieso nichts finden würde. Ich meine, ich hatte in der fünften Klasse (was bereits erschreckend lange her ist) einmal Briefkontakt mit einer ehemaligen Klassenkameradin, aber das war auch so ziemlich alles, was ich mir zum Thema Brieffreundschaften im Bewusstsein war.

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Die Seite Brieffreunde.de war direkt das erste Suchergebnis und ich war, trotz der mich persönlich nicht besonders ansprechenden Aufmachung der Website absolut begeistert. Nach dem Anlegen des Profils muss man freilich etwas Mut zusammen kratzen, wenn man mit anderen Mitgliedern in Kontakt kommen will, aber für mich hat sich das absolut gelohnt. Mittlerweile habe ich auch über andere Kanäle viele liebe Menschen kennen gelernt, aber 4 der Brieffreundinnen, die mir am allermeisten am Herzen liegen, habe ich in meiner ersten Woche bei Brieffreunde.de kennen gelernt, und das war vor mittlerweile bereits fast 3 Jahren. Auch wenn ich ein eher unregelmäßiger Schreiber bin und meine Kontakte mitunter schon mal etwas länger auf einen Brief bzw. eine Antwort warten müssen, liebe ich es, mit Füller und Tinte auf Briefpapier zu schreiben und seit ich mich immer öfter auch auf Pinterest herum treibe, bin ich ein großer Fan von SnailMailing. Zu diesem Thema möchte ich irgendwann einen separaten Beitrag schreiben, aber kurz gesagt geht es beim SnailMailing darum, Briefe mehr oder weniger aufwendig zu gestalten, zu dekorieren und dem Umschlag kleine Geschenke beizufügen. Das können z. B. Stickerbögen, Tee, gepresste Blüten, Origami, Fotos, Postkarten oder alles andere, das in einen Briefumschlag passt, sein.

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Vor etwas mehr als einem Jahr ist dann außerdem das Hobby Postcrossing dazu gekommen. Davon erzählte mir eine meiner Brieffreundinnnen. Auf der Seite Postcrossing.com können sich User, die der englischen Sprache mächtig sind, ein Profil anlegen und dabei ihre Adresse angeben. Nach dem Zufallsprinzip zieht man nun Adressen anderer User, während die eigene Adresse an andere User geht. Das alles geschieht, ohne, dass man weiß, wer die eigene Adresse gezogen hat, bzw. auch, dass sie überhaupt von jemandem gezogen wurde – bis man eine Postkarte im Briefkasten hat. Jede verschickte Karte muss mit einem individuellen Code versehen werden, der vom Empfänger dann auf der Postcrossing-Seite beim Empfang der Karte registriert wird. So erfährt man, dass alles geklappt hat und die Grüße ihren Empfänger erreicht haben. Natürlich bekommt man nicht nur Karten, die man wunderschön findet – ich habe kürzlich zum Beispiel eine mit einem Motorrad bekommen, damit kann ich nun nicht gerade besonders viel anfangen. Prinzipiell geht es aber für mich vor allem darum, mit Menschen in Kontakt zu kommen, die man unter normalen Umständen niemals kennen gelernt hat. Ein ganz besonderer Moment war, als ich die Karte einer Indonesierin bekam, die mir ganz aufgeregt schrieb, sie hätte am gleichen Tag Geburtstag, wie ich. Auch, wenn ich es nicht genau erklären kann, das hat sich sehr intensiv angefühlt. Sich vorzustellen, dass es am anderen Ende der Welt jemanden gibt, der zur gleichen Zeit ins Leben gestartet ist – und mit diesem Jemand auch noch darüber reden zu können… Solche Momente machen Projekte wie Postcrossing möglich, und genau das stellt für mich ihren Zauber dar. Im Laufe des letzten Jahres sind bereits fast 100 Karten zusammen gekommen! Aus Russland, China, Indonesien, Taiwan, Japan, Italien, Frankreich, den Niederlanden, dem Oman, Tschechien, den USA, Großbritannien, Canada und vielen anderen Ländern. Und jede neue Karte im Briefkasten ist ein weiteres Stückchen Glück und macht das Fernweh etwas weniger schlimm.

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3 Kommentare zu „Grüße aus aller Welt

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