Rezensionen

Das Huhn, das vom Fliegen träumte (Sun-Mi Hwang)

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Die Legehenne Sprosse hat genug vom Leben. Nachdem sie mehr als ein Jahr lang nichts anderes getan hat, als Eier zu legen, die sie doch niemals behalten durfte, hat Sprosse sich geschworen „Ich lege keine Eier mehr“. Und damit geht einher, dass Sprosse auch nicht mehr fressen will. Schwach vor Hunger, mit gebrochenem Lebenswillen und endlich in dem Bewusstsein, dass ihr größter Traum – ein Ei auszubrüten und Mama eines wunderschönen Kükens zu werden – niemals in Erfüllung gehen wird, tut Sprosse nichts anderes mehr, als den Akazienbaum im Innenhof zu bewundern.

Er berührte Sprosse zutiefst. Sie erhob sich, schob den Kopf durch die Drahtmaschen und scheuerte sich dabei den nackten, federlosen Hals wund. Die Blätter haben wieder Blüten ausgebrütet! Sprosse beneidete sie. (Zitat, S. 12)

Nachdem Sprosse vor lauter Hunger und Kraftlosigkeit keine Eier mehr legen kann, verliert die Legehenne für den Bauern ihren Wert. Beinahe leblos wird sie hinter dem Hof mit anderen toten Hühner ins Feld geworfen. Prompt schleicht sich das Wiesel heran, das das lebende Tier unter den Leichen sofort erschnüffelt hat. Mit der Hilfe vom Erpel Streuner gelingt Sprosse die Flucht. Doch wohin nun?

Sprosses folgende Odyssee ist erschreckenderweise ein mehr als passendes Synonym für aktuelle Geschehnisse – so ist es ja häufig mit Tierfabeln. Als fremde, andersartige wird das Huhn von den anderen Bewohnern des Hofes abgewiesen. Trotz Hunger, Schwäche, Obdachlosigkeit und Flucht lässt man Sprosse nicht am Wohlstand des Bauernhofes teilhaben und jagt die Henne davon. Doch Sprosse hat sich entschieden: Sie will leben! Und sie kann es schaffen! Mit der Hilfe von Streuner, ihrem eisernem Willen und zumindest auch ein bisschen Glück, schafft Sprosse das Unmögliche – und verwirklicht nebenbei auch ihre Träume. Nur etwas anders als gedacht.

„Das Huhn, das vom Fliegen träumte“ ist eine ganz zauberhafte Geschichte über Willensstärke, den Glauben an sich selbst, Freundschaft, Familie und vor allem Liebe. Wer den Mut hat, sein Leben in die eigene Hand zu nehmen, kann alles schaffen und trotz aller Widerstände am Ende glücklich werden. Wer auch im Angesicht von Bosheit, Angst, Hass und Ablehnung Gutes tut, sich selbst treu und reinen Gewissens bleibt, kann alles schaffen.

Trotz seiner nur 160 Seiten hat das dünne Büchlein unglaublich viel zu sagen und wird noch lange in meinem Kopf herumgeistern. Die wunderbaren Zeichnungen der Illustratorin Nomoco ergänzen die Geschichte um eine weitere zauberhafte Komponente.

Unnötig zu erwähnen, dass am Ende des Buches auch ein, drei oder mehrere Tränchen geflossen sind.

Das Buch ist beim KEIN&ABER Verlag mit der ISBN 978-3-0369-5699-2 erschienen und kann dort für 14,90€ gekauft werden.

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2 Kommentare zu „Das Huhn, das vom Fliegen träumte (Sun-Mi Hwang)

    1. Vielen, vielen Dank für das Lob.. 🙂 Ich denke, man kann das Buch auch mit den Kindern lesen – die Sprache ist recht einfach gehalten und auch, wenn es an manchen Stellen um das Thema Sterben geht, würde ich nichts als zu erschreckend, zu explizit oder gar verstörend für ein Kind empfinden. Das Thema wird, meiner Meinung nach, wunderbar umrissen und fügt sich gut in die Geschichte ein. Zu jung sollte das Kind aber vielleicht nicht sein, da viele sprachliche Bilder enthalten sind, die die Kleineren noch nicht verstehen könnten. Andererseits bin ich selber auch keine Mama und kann das vielleicht nicht so gut einschätzen. 😉 Am Besten liest die Mama erst mal allein und entscheidet dann am eigenen Kind. 🙂

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