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Red Queen (Victoria Aveyard)

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Jaa, ich habe es auch endlich gelesen! ‚Red Queen‘, das Buch, das schon so ziemlich durch jeden Blog, außer meinem eigenen gegeistert ist.

Die Welt, in der die Protagonistin Mare Barrows lebt, ist eine Zwei-Klassen-Gesellschaft, in der die priviligierten Silver und die dienenden Red leben. Silver und Red sind durch die silberne und rote Farbe ihres Blutes von einander zu unterscheiden – und die Tatsache, dass die Silver individuelle Fähigkeiten haben, die sie über die Red emporheben. Unter den Silver gibt es z. B. Strongarms mit übermenschlicher Stärke, Whisper mit starken telepathischen Fähigkeiten, Nymphs mit der Gabe, Wasser zu kontrollieren, Silencer, die die Fähigkeiten anderer Silver unterdrücken können und noch viele andere. Die Red hingegen sind normale Menschen, die aufgrund ihrer fehlenden Kräfte von den Silver unterjocht und zum Dienen und Arbeiten gezungen werden.

Das Königreich Norta, in dem die Geschichte um Mare spielt, liegt seit Jahrzehnten im Krieg mit den Lakelands und die Silver schicken erbarmungslos jeden verfügbaren Red an die Front. Um den ständigen Nachschub an Red-Soldaten zu gewährleisten, gibt es eine Einberufungspflicht für alle Red, die das Alter von 18 erreicht und keine Ausbildungsstelle oder einen Job haben.

Die 17-jährige Mare Barrows lebt in den Stilts, einer Siedlung nahe der königlichen Sommerresidenz. Da ihre 3 Brüder Shane, Bree und Tramy seit längerer Zeit im Krieg kämpfen, lebt Mare nur noch mit ihren Eltern und ihrer Schwester Gisa in dem ärmlichen Haus, das am Rand der Stilts steht. Während der kleinen Gisa eine vielversprechende Zunkuft als Schneiderin für reiche Silver-Kunden bevorsteht, sorgt Mare als Diebin für ihren Anteil am familiären Unterhalt.

Um ihren besten Freund Kilorn vor der Einberufung zu retten, beschließt Mare, mit der Anführerin der weitbekannten Rebellengruppe Scarlet Guard eine Abmachung zu treffen – gegen eine hohe Auslösesumme wird Anführerin Farley sowohl Mare als auch Kilorn aus dem Land schleusen. Als Gisas Versuch, Mare bei der Beschaffung des Geldes zu helfen, gehörig schief geht, will Mare in einem letzten verzweifelten einen Fremden bestehlen. Dieser erwischt sie zwar, gibt ihr aber trotzdem etwas Geld und will ihr einen Job besorgen.

Als Mare am nächsten Tag in den Sommerpalast der verhassten Königsfamilie gerufen wird, um dort als Dienstmädchen zu arbeiten, ist ihre Verwirrung groß – bis sich unter den Mitgliedern der königlichen Familie plötzlich der Fremde der vorherigen Nacht befindet.

Während des Queenstrial, bei dem die Silver-Prinzen Cal und Maven unter den zahlreichen Töchter adliger Silver-Familien ihre zukünftigen Bräute aussuchen sollen, kommt es schließlich zu einem Unglück, das Mares Leben drastisch verändern wird – vor allem zum negativen.

Die Idee einer durch empathielose, grausame Herrscher unterdrückten Bevölkerung ist einem nicht zuletzt aus „Die Tribute von Panem“ längst bekannt; ich hatte generell das Gefühl, dass eben jene Geschichte massiv für das allgemeine Setting der Geschichte dienen musste. Das Prinzip eines mehr oder minder mutigen, von der Regierung unterdrückten Mädchens, dass durch die Verkettung unglücklicher Umstände plötzlich gezwungen ist, als Symbol und toughe Kämpferin/Verwandlungskünstlerin herzuhalten, die bis auf einige leise innere Konflikte scheinbar kein Problem damit hat, sich zum Zwecke des Selbstschutzes komplett zu verstellen und ihre Familie Familie sein zu lassen, kam mir so bekannt und ausgelutscht vor, dass ich das ein oder andere Mal fast die Lust am Lesen verloren habe. Während Katniss Everdeen mit Biss, Schlagfertigkeit und Sympathie punkten konnte, war mir Mare einfach nur viel zu naiv, lammfromm, gleichgültig und leichtgläubig. Wann immer etwas passierte, bei dem ich an ihrer Stelle wahrscheinlich vor Angst tot umgefallen wäre, gab es bei Mare nur „Irgendetwas geschah, aber ich verstand nicht was, und so ging ich einfach zur nächsten Aufgabe über.“ oder „Die Silver beuten mein Volk seit Jahrhunderten aus, und ich hasse sie alle unglaublich stark, aber hey, die beiden Prinzen sind ja so süß und fürsorglich, wer kann da schon nein sagen.“

Das zweite literarische Vorbild, dessen sich die Geschichte bedient, scheint „The Selection“ und damit der Kampf einiger ausgewählter Mädchen um die Gunst des zu verheiratenden Prinzen zu sein. Hier hinkt Red Queen aber meiner Meinung nach dem Original auch wieder nur hinterher. Während America Singer mit Humor, Großmütigkeit, Selbstlosigkeit und Aufgeschlossenheit gegenüber ihren Mitbewerberinnen glänzte, bleiben die Figuren um Mare eher farblos, nicht einmal ihre stärkste Konkurrentin und spätere Erzfeindin Evangeline wird dem Leser in irgendeiner expliziteren Art und Weise näher gebracht.

Zusätzlich zu der Vorhersehbarkeit der Handlung haben mich außerdem einige Logikfehler und Lücken im Story-Hintergrund gestört. Man frage sich: wenn im Buch die Fähigkeiten der ach so außergewöhnlichen Silver so stark in den Vordergrund gestellt werden – warum kämpfen die Silver dann nicht selber an den Fronten ihres Krieges? Ein paar Strongarms, die ihre Gegner dem Erdboden gleichmachen; Nymphs, die mit riesigen Flutwellen sämtliche Gegner ertränken könnten; Magnetrons, die mit ihren Kräften erreichen könnten, dass sich die Metall- bzw. Stahlgewehre gegen die gegnerischen Besitzer wenden; Whisper, die ihre Feinde mit telepathischen/telekinetischen Befehlen zum Selbstmord oder friendly Fire zwingen könnten. Nein, stattdessen werden seit Dekaden schwache Red in den Krieg geschickt. Der Sinn dieser Überlegung hat sich mir nicht erschlossen – nicht zuletzt, weil Silver als extrem stolz und eingebildet beschrieben werden (würden sie dann nicht selber die Helden sein wollen, als sich von einem Red den Hintern retten zu lassen?).

Außerdem erfährt man so gut wie nichts über die Hintergründe der vorherrschenden politischen Situation. Wie wurde die Welt zu der, die sie heute ist? Bis auf Norta, die Lakelands und ein oder zwei weitere ab und zu eingeworfene Namen werden keine weiteren geografischen oder geschichtlichen Bezugspunkte genannt, sodass zumindest ich mir die Welt, in der die Geschichte spielt, überhaupt nicht vorstellen konnte.

Auch die Rebellengruppe Scarlet Guard war mir mehr als subjekt. Wenn diese sich à la Distrikt 13 in den Panem Büchern seit Jahren erfolgreich der Gewalt der Silver entziehen und mit ausgewählten Anschlägen zur Wehr setzen kann, wieso wird dann Hinz und Kunz einfach ohne Test oder Backup-Kontrolle als Mitglied willkommen geheißen? In dem Moment, in dem ein bestimmter Silver ohne Zögern in die Scarlet Guard eingelassen wurde, war mir klar, wie die Geschichte weiter ablaufen würde. Für mich ein ganz klarer Stimmungskiller, den man sicher besser hätte kaschieren können.

Insgesamt hat mir das Buch ein paar interessante Lesestunden beschehrt, und ich hatte an einigen Stellen tatsächlich auch ein bisschen Pipi im Auge. Die Kombination der verschiedenen Ideen bzw. Konzepte fand ich grundsätzlich sehr interessant, an der Umsetzung hat es dann jedoch meiner Meinung nach deutlich gehapert. Vielleicht wollte Victoria Aveyard zu viel gleichzeitig. Bestimmt hätte man aus dem Grundgerüst der Story sehr viel mehr machen können und eventuell kann ein starker zweiter Band den schwachen ersten wieder heraus reißen.

Ich werde dem zweiten Teil auf jeden Fall eine Chance geben, da ich trotz der Schwächen der Geschichte wissen möchte, wie es mit Mare, Kilorn, Cal, Maven und der Scarlet Guard weiter geht. Außerdem sind Mares besondere Fähigkeiten, auf die in Vermeidung möglicher Spoiler in dieser Rezension nicht eingegangen bin, ein Story-Pluspunkt, den ich im zweiten Teil sehr gerne noch ausgebaut sehen möchte.

Die deutsche Ausgabe des Buches ist beim Carlsen Verlag mit der ISBN 978-3551583260 erschienen und kann dort für 19,99€ gekauft werden.

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2 Kommentare zu „Red Queen (Victoria Aveyard)

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