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Altlasten aus 2014

Irgendwie komme ich gerade nicht zu Potte. Ich lese, lese, lese und lese und komme dabei nicht so wirklich dazu, tatsächlich auch Rezensionen zu all den tollen Büchern zu schreiben, die ich gelesen habe. Und obwohl ich mir immer vornehme, immer direkt nach dem Lesen auch die Rezension zu schreiben, mag das in letzter Zeit leider nicht so recht klappen. Und da ich sogar mit Büchern hinterher hinke, die ich noch 2014 (!) gelesen habe, wächst mein schlechtes Gewissen proportional zum Grad des Vergessens dessen, was ich gelesen habe.

Deshalb sollen an dieser Stelle ein paar Kurzrezensionen zu meinen Altlasten aus 2014 folgen. Dann brauche ich kein schlechtes Gewissen mehr haben. 😀

Er ist wieder da“ (Timur Vermes)

Ich habe ja immer gesagt, ich würde keine Hörbücher mögen. Irgendwie stimmt das auch immer noch, aber ich bin mittlerweile nicht mehr ganz so drastisch negativ eingestellt. Und als ich mal wieder einen „Ach, komm, versuchst du’s noch mal“ Anfall hatte, fiel meine Wahl auf „Er ist wieder da“. Und was soll ich euch sagen, ich war begeistert!

Adolf Hitler wacht im heutigen Berlin auf und ist völlig überfordert. Mit der Hilfe eines Kiosk-Besitzers und einem unfreiwillig komischen Humor gelingt es Hitler, zuerst ein Dach über dem Kopf und schließlich sogar einen Medien-Vertrag zu ergattern. Obwohl er eigentlich nur versucht sein rechtsradikales Gedankengut an den Mann zu bringen und so irgendwie zu den von ihm gewünschten Verhältnissen zurück zu kehren, wird er im wahrsten Sinne zum Witz der Nation.

Adolf Hitler verkörpert eines der schlimmsten Kapitel deutscher Geschichte, doch in „Er ist wieder da“ kann man dem plappernden, überforderten alter Ego kaum böse sein. Das mag vor allem an dem grandiosen Christoph Maria Herbst liegen, ohne den das Hörbuch wirklich nicht das wäre, was es am Ende ist. Mit seiner Sprechweise bekommt die Geschichte genau den richtigen Touch Lächerlichkeit, ohne den man das Thema wohl nicht hätte präsentieren können.

Ich war absolut begeistert vom Hörbuch, auch wenn die Story an sich, neben vielen gut plazierten Witzen und tiefgründigen Dialogen auch einige langatmige Stellen hatte, die das Hören mitunter sehr anstrengend machten. Insgesamt hat mir das Hörbuch aber sehr gefallen und ich bin durchaus bereit, auch anderen Hörbüchern eine Chance zu geben.

Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey“ (Sophie Seeberg)

Die Psychologin Sophie Seeberg begutachtet Familien für gerichtliche Verfahren. In „Die Schakkeline ist voll hochbegabt, ey“ beschreibt sie auf einfühlsame, kompetente Art und Weise verschiedene Szenarien ihrer täglichen Arbeit. Anders, als der Buchtitel vermuten lässt, geht es dabei nicht nur um möglichst lustige Begebenheiten á la RTL-Nachmittagsprogramm, sondern auch um besonders traurige, ungerechte Fälle, in denen es nur dem Jugendamt, Familiengericht und psychologischen Gutachtern wie Frau Seeberg zu verdanken ist, dass Familie die nötige Hilfe bekommen.

Von 40 jährigen Muttersöhnchen, über vernachlässigte oder verwöhnte Kinder bis hin zu gewalttätigen oder ignoranten Elterteilen bietet das Buch vielfältige Einblicke. Auch wenn ich über einige Situationen wirklich herzhaft lachen konnte (ja, eines der Kinder hieß wirklich Schakkeline) waren es vor allem die ernsten, leise mahnenden Töne, mit den Frau Seeberg mich begeistern konnte.

Sie nannten mich ‚ES‘“ (Dave Pelzer)

Dave Pelzer hat als Kind ein Grauen durchlebt, das mir seitenweise wirklich den Atmen stocken ließ. Pelzer erzählt in diesem Buch die Geschichte seiner eigenen Kindheit – die Geschichte seiner Misshandlungen und Folter durch die eigene Familie.

Die Geschichte ist eine stete Abfolge der unfassbarsten, grausamsten, unmenschlichsten Taten, die dem jungen Pelzer von niemand geringerem als seiner eigenen Mutter zugefügt werden. Neben dem täglichen Kampf gegen den schleichenden Hungertod, wird Pelzer von seiner Mutter psychisch und physisch beinahe zu Tode gequält. Die unterschiedlichen Wege, die sie dabei nimmt, sind jeweils furchtbarer als man sich vorstellen kann. Jedes Mal, wenn man denkt: Nein, das macht sie jetzt nicht wirklich – das tut sie dem armen Jungen nicht an! – tut sie im nächsten Moment etwas noch unglaublicheres, bei dem einem einfach nur die Tränen in die Augen schießen und der Atem stockt. Vor allem, wenn man bedenkt, dass die Geschichte von Dave Pelzer nicht einfach nur Fiktion ist, sondern auch unzählbar viele Kinder beschreibt, denen es in just diesem Moment ebenso geht.

Bei der Lektüre des dünnen Buches hat mir wirklich das Herz geblutet. Auf jeder Seite, bei jeder neuen Wunde, die dem armen Kind zugefügt wurde, jedem Stückchen Herz, dass dem Jungen zusätzlich von seiner bösartigen, kranken Mutter gebrochen wurde, wollte ich ihn einfach nur in den Arm nehmen, ihm sagen, dass alles wieder gut wird, und ihm ein Zuhause geben.

Ich kann wirklich nur empfehlen, dieses Buch zu lesen und ein Bewusstsein für die Taten zu schaffen, die an viel zu vielen Orten hinter geschlossenen Türen verübt werden. Vor allem die Worte des erwachsenen Pelzers am Ende des Buches haben mich sehr beeindruckt – die Tatsache, welch bemerkenswerter Geist aus einem so gequälten Kind entwachsen ist.

Dschungelkind“ (Sabine Kuegler)

Als Kind deutscher Völkerforscher hat Sabine Kuegler bereits an vielen Orten auf der Welt gelebt. Mit 5 Jahren zieht sie mit ihren Eltern in den Dschungel von West Papua, in das Dorf eines fast unbekannten Kannibalenstammes. Ihr Buch erzählt von ihrem Leben in einer Zivilisation, die für uns übrige Menschen kaum zu erfassen ist. Sie beschreibt ihre Zeit im Dschungel mit bunten Farben, leuchtenden Erinnerungen, unfassbarer Grausamkeit der Urwald-Völker, schrecklichen Zusammenstößen mit der Fremdartigkeit ihres Lebensraums und herzerwärmender Liebe und Freundschaft.

Seit ich als Kind Robinson Crusoe gelesen habe, bin ich absolut fasziniert von Geschichten, in denen sich Menschen in ihnen völig unbekannten Lebensräumen überleben müssen – mit einfachsten Mitteln und eigener Willensstärke – und schließlich eine tiefe Verbundenheit zu ihrem neuen Lebensraum entwickeln. Es war für mich ungeheuer interessant zu lesen, wie sich Sabine und ihre Familie nach und nach im Urwald einleben, dort ihr Leben bestreiten und sich schließlich komplett in den Stamm der Kannibalen eingliedern. Und genauso habe ich schließlich mit Sabine mit gelitten, als sie ihr zu Hause verlassen und in einem anderen Teil der Welt einen neuen Platz finden muss. Sie hat ihre Geschichte so eindringlich und bildhaft erzählt, dass ich mich stellenweise gefühlt habe, als würde ich mit ihr im Dschungel stehen, oder mit ihr im Internat leiden, als sie aus dem Urwald fort muss.

Für mich auf jeden Fall ein schönes Buch, das Fernweh macht und dass ich immer wieder lesen könnte. ❤

Herr der Ringe 01 – Die Gefährten“ (J.R.R. Tolkien)

Ein Buch, zu dem eigentlich schon alles gesagt ist.

Bei meinen früheren Versuchen, dieses Buch zu lesen und zu mögen, bin ich immer gescheitert. Schon die ersten Kapitel fand ich langweilig – die blöden Hobbitse wollten und wollten einfach nirgendwo ankommen. Aber als ich das Buch im Winter noch einmal zur Hand genommen habe, konnte ich es plötzlich nicht mehr einfach so weg legen. Ich habe es in kürzester Zeit durchgelesen und war begeistert. Keine Ahnung, was da die letzten Jahre mit mir los war.

Auch wennn Frodo mir immer noch tierisch auf den Sack geht – die Story zieht einen einfach in seinen Bann. Jetzt kann ich endlich sagen, dass ich nicht nur die Filme mag, sondern auch die Bücher klasse finde. Im zweiten stecke ich nämlich gerade mittendrin und bin genau so begeistert, wie vom ersten. ❤

Tintenherz“ (Cornelia Funke)

Tintenherz ist ein Buch über die Liebe zu Büchern.

Die junge Maggie und ihr Vater Mo sind ein tolles Team. Zusammen führen sie zwar ein etwas rastloses Leben und oft vermissen die beiden auch Maggies Mutter, aber ihre Liebe zu Büchern und zu einander bieten den beiden Konstanten, die das Leben lebenswert machen.

Bis eines nachts der rätselhafte Staubfinger vor der Tür steht und einen Gefallen von Mo einfordert. Plötzlich nehmen die Ereignisse ihren Anfang, nichts ist mehr wie zuvor. Mo wird entführt, und Staubfinger, Maggie und ihre Tante werfen alle Sicherheit über Bord, um den Entführten zu retten.

Doch was hat es mit dem Bösewicht Capricorn auf sich? Warum hat Mo Maggie niemals vorgelesen? Und wieso sehen sich Maggie und Capricorns Magd so ähnlich?

Ein Buch, in dem Geschichten lebendig werden, die Kraft der Fantasie alles bedeutet und Liebe etwas existenziell wichtiges ist. Sollte es wirklich jemanden geben, der dieses Buch noch immer nicht gelesen hat, möge er dies schleunigst ändern – die Geschichte ist gut für’s Leserherz.

Die „Maze Runner“ Trilogie (James Dashner)

Die Maze Runner Trlogie besteht zurzeit aus den drei Teilen: „Im Labyrinth“, „In der Brandwüste“, „In der Todeszone“. Laut Wikipedia wird es in den nächsten Jahren noch „The Kill Order“ und „Fever Code“ geben, wir dürfen also gespannt sein.

Ich für meinen Teil wollte den ersten Teil gerne gelesen haben, bevor der dazu gehörige Film in die Kinos kommt. Leider haben ich und mein Zeitmanagement häufig sehr heftige Differenzen, sodass ich den Buchkauf auf nach dem Kinobesuch verschieben musste. Eigentlich mache ich das gar nicht gern in dieser Reihenfolge, weil ich dann beim Lesen meist das Gefühl habe, die Figuren seien in meinem Kopf schon vorgefertigt.

Und dann war ich beim Lesen doch sehr überrascht, wie gut da Film und Buch zueinander gepasst haben.

Thomas erwacht auf einer Lichtung – ohne Erinnerungen an sich oder sein Leben vor dem Aufwachen. Den anderen Jungen, die er auf der Lichtung kennen lernt, ging es am Anfang genau so. Und auch wenn bei ihnen die Erinnerungen im Laufe der Zeit zumindest teilweise zurück gekommen sind, so weiß doch niemand, warum sie alle auf der Lichtung sind. In dem steinernen Labyrinth versuchen die Jungen Antworten zu finden, in ständiger Angst vor der Nacht und den unheimliche Grievern – riesigen, widernatürlichen Ungeheuern, die jeden töten, der es nicht vor Anbruch der Nacht aus dem Labyrinth schafft.

Doch mit Thomas Ankunft hat irgendetwas begonnen, dass sich nun nicht mehr aufhalten lässt. Und als dann plötzlich ein Mädchen auf der Lichtung auftaucht, das Thomas zu kennen scheint – und Thomas seinerseits plötzlich Erinnerungen an Labore und Experimente hat – beginnt ein Wettlauf gegen den Tod und die Zeit. Die Jungen – und Theresa – müssen dem Labyrinth entkommen!

Ich habe das Buch eingeatmet und völlig begeistert. Geheimnis um Geheimnis wird aufgedeckt, so flüssig und sinnvoll, dass man einfach immer weiter lesen muss. Als ich den Buchdeckel zu schlug war klar: Die anderen beiden Teile müssen her. Gedacht, getan, und weiter ging es mit den Geschehnissen in der Brandwüste. Ich versuche, möglichst nicht zu spoilern – ich hoffe, es gelingt mir. Ansonsten schließt ihr an dieser Stelle die Augen und klickt stattdessen einer meiner anderen tollen (*hust*) Beiträge an. 🙂

Nach einem fulminanten Finale im Labyrinth ist die nun deutlich kleinere Gruppe in einem seltsamen Bunker untergebracht. Obwohl Theresa, Thomas und die anderen erschöpft, verwirrt und misstrauisch sind, freuen sie sich über die unerwartete Ruhepause. Doch dann überschlagen sich erneut die Ereignisse und die Gruppe wird in eine Welt gezwungen, in der es ums nackte Überleben geht. Während Thomas‘ Erinnerungen immer klarer werden, und unerwartet neue Charaktere auftauchen, werden die Lichter (also die Jungen von der Lichtung) nun von zwei Seiten bedroht. Ein mörderischer Weg beginnt, dessen Ziel so zweifelhaft wie ungewiss ist.

Der dritte Band hat mir schließlich am besten gefallen, obwohl er am Ende aus meiner Sicht einige starke Schwachpunkte hat. Die Ereignisse spitzen sich zu und vor allem die Konstellationen innerhalb der einzelnen Gruppen fand ich toll. Obwohl der Fokus deutlich auf bestimmten Charakteren lag, fügten sich auch die Nebenfiguren gut in das Geschehen ein. Gerade Theresa ging mir in diesem Band tierisch auf die Nerven und hat an manchen Stellen einfach nur absolut nicht nachvollziehbar gehandelt. Klasse fand ich hingegen, wie stark Thomas im Laufe der Story an sich selbst gewachsen ist.

Das Buch beschreibt das Aufbegehren der Lichter, endlich Antworten, Rettung und Heilung zu finden – die Verantwortlichen müssen zur Rechenschaft gezogen und an ihrem falschen Handeln gehindert werden.

Das Ende hat mir dabei leider gar nicht gefallen. Wichtige Hauptcharakteren, die der Handlung zu lästig geworden sind, werden wie unbeachtet aus der Geschichte gestrichen – ein bisschen so wie „Ach, find ich doof, hups, fällt ein Stein drauf. Irgendwelche letzten Worte? Quatsch, brauchen wir nicht, lass liegen, lauf weiter.“ Unabhängig davon, ob man die Charaktere mochte oder nicht, wenn einen eine Figur vom ersten bis zum dritten Buch begleitet hat, verdient sie im Augenblick ihres Todes etwas mehr Respekt, als das, was hier im dritten Teil passiert.

Der finale, spektakuläre Kampf war mir persönlich etwas zu konfus – zu viel passierte zu unstrukturiert gleichzeitig und war mit zu vielen Logikfehlern behaftet. Ich bin aber bereit, dafür das hohe Tempo der Geschehnisse als Entschuldigung gelten zu lassen. Das Ende aber… Nein. Einfach nur nein. Als ich die letzten Seiten las, habe ich mich, um es frei heraus zu sagen, verarscht gefühlt. Für so ein billiges Szenario habe ich mich durch drei Bücher gekämpft, gelitten, gegruselt, geheult und geschmachtet? Also, bitte. Wenn ich Schmalz gewollt hätte, hätte ich mir ein Buch gesucht, auf dessen Cover ein nackter Mann mit wallendem Haupthaar bei Windstärke 8 eine Frau im transparenten Kleid im Arm hält. Lieber Herr Dashner: So nicht. Aber was will man machen.

Dass Wikipedia mir, wie bereits erwähnt erzählt, es solle noch zwei Teile geben, lässt mich doch ein bisschen aufhorchen. Vielleicht kann ein gut durchdachter 4. Teil das blöde Ende vom 3. ein wenig mildern. Ich bin auf jeden Fall bereit, mich überraschen zu lassen. Wenn Wikipedia denn Recht hat. Ich hoffe!

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Ein Kommentar zu „Altlasten aus 2014

  1. Was für eine interessante Auswahl! Ich habe fast alle der obigen Bücher auch gelesen (Maze Runner wollte ich mir mal als Film anschauen, bin bisher aber noch nicht dazu gekommen). „Sie nannten mich Es“ fand ich auch berührend; wenn es dir gefallen hat, kann ich „Vater unser in der Hölle“ empfehlen. Das musste ich allerdings zwischendurch weg legen, weil die Geschichte immer wieder so furchbar war.
    Dschungelkind habe ich als Teenager mal gelesen; es hat mir damals gut gefallen, allerdings war für mich der „Zauber“ weg, als die Autorin dann ihr Leben in der „Zivilisation“ beschrieb, sodass ich das zweite Buch auch nicht mehr gelesen habe.
    Viele Grüße!

    Gefällt 1 Person

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