Rezensionen

Nachruf auf den Mond (Nathan Filer)

Es gibt so Bücher, die kann man nach dem Lesen gar nicht so recht in Worte fassen. Man durchdenkt sie, wieder und wieder, und findet doch nicht die richtigen Worte.

„Nachruf auf den Mond“ von Nathan Filer ist so ein Buch.

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Im Urlaub mit der Familie stirbt Matts großer Bruder Simon. Simon, ein Junge mit einer Behinderung, hat schon immer eine große Rolle innerhalb der Familie gespielt – verständlich also, dass sein tragischer Tod eine noch größere Rolle spielt und eine nicht zu füllende Lücke hinterlässt.
Obwohl das Buch aus Sicht von Matt, dem jüngeren Bruder spielt, und man sich als Leser daher hauptsächlich mit dessen, zumeist verwirrenden, Gedanken auseinander setzen muss, zeigt die Geschichte auch, wie der Rest der Familie mit seiner Trauer umgeht. Die Mutter, der Vater, der schweigsame Opa und Nanny Noo.
Hauptfigur ist neben Simon aber Matt.

Matt macht es dem Leser wahrlich nicht leicht. Schuldgefühle und Trauer vernebeln ihm sehr oft die Sicht auf Dinge, die dann nur sehr oberflächlich, abstrakt oder knapp erzählt werden. Manchmal schärft sich Matt’s Blick aber auch, und er verliert sich in detailgenauen Beobachtungen seines Umfeldes, kreiert abstruse Ideen und zerlegt alles Beobachtete in Atome und kleinste Teile. Aber aus allen Stückchen, vernebelten und detailgenausten, ergibt sich schließlich ein Bild, dass die Liebe zu Simon zeigt – und das Vermissen, den Kummer und schließlich das leise Aufatmen der Akzeptanz.

Welchen Weg Matt bei der Bewältigung seiner Trauer geht, möchte ich nicht vorweg nehmen. Manchmal versteht man nicht all seine Schritte, manchmal möchte man ihm zurufen „Nein, geh nicht dort lang!“, manchmal möchte man ihm noch einen Schubs mehr in die jeweilige Richtung geben. Alles in allem sollte Matt aber jeder Leser für sich selbst begleiten.

Mich hat „Nachruf auf den Mond“ begeistert, vor allem in der zweiten Hälfte. Es war beeindruckend, Matts Reife-Prozess im Laufe der Geschichte zu beobachten. Und nicht zuletzt war auch Nathan Filers ungewöhnliche Art zu schreiben ein Grund, warum ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Auch wenn man sich erst ein wenig daran gewöhnen musste, und die Geschichte immer wieder zwischen Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft, Wirklichkeit und Einbildung springt – jede dieser Perspektiven bildet ein unverzichtbares Puzzleteil des großen Ganzen und macht das Buch rund um Matt und Simon zu dem, was es ist: Eine wunderbare Erzählung über die Liebe zwischen Geschwistern und den Prozess des Trauerns in all seinen Facetten.

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