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Die Tribute von Panem (Suzanne Collins) – Eine Sammelrezension

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Genau genommen sind die Panem-Bücher ja bereits kalter Kaffee. Von jedem gelesen, von jedem besprochen – und von den meisten für unglaublich toll befunden. So auch von mir, deshalb klinke ich mich nachträglich einfach auch noch mal mit ein.

Vor kurzem hat es mich nämlich mal wieder gepackt und ich habe die ersten beiden Teile innerhalb von drei Tagen verschlungen (der dritte liegt nun vor mir und lächelt schüchtern, aber mein Lesehunger ist erst einmal gestillt).

Tja, was soll ich sagen? Es wird mir nicht langweilig, egal zum wievielten Mal ich die Bücher auch lese.

Nun, für den minimalen Prozentsatz der da draußen existierenden Leserschaft, die sich noch nicht für die Panem-Bücher begeistern konnte: Worum geht es?

Die Welt ist nicht mehr wie früher. Grenzen haben sich verschoben, Länder wurden von den Karten gelöscht – geblieben sind nur die 13 Distrikte. Der dreizehnte Distrikt fiel im Krieg gegen das mächtige Kapitol, wurde ausradiert, die restlichen zwölf besiegt. Die Bewohner der Distrikte leben nun, beherrscht vom Kapitol und Präsident Snow, teilweise in bitterer Armut – alle mit der Gewissheit, dass sie ewig für ihren Aufstand und den dadurch entstandenen Krieg büßen müssen.

Jedes Jahr werden die Hungerspiele veranstaltet, eine Mahnung des Kapitols, dass ihm alle Distrikte ausgeliefert sind.

Die Hungerspiele sind Spiele auf Leben und Tod, für die je ein weiblicher und männlicher Tribut der jeweiligen Distrikte ausgelost und in eine Arena geschickt werden. Nur einer überlebt. Alle anderen sterben.

Weil sie verhindern will, dass ihre kleine Schwester zum Tribut wird, meldet sich Katniss im ersten Band freiwillig für den zwölften Distrikt, während ihr Mitschüler Peeta als männlicher Tribut entsandt wird.

Was folgt, ist eine blutige, zermürbende, verstörende und tödliche über drei Bände dauernde Odyssee – geprägt von Gier, Hass, Liebe, Voyeurismus, Maßlosigkeit, Hunger, Durst, Mord, Blutrausch und Fassungslosigkeit.

Obwohl die Geschichte eine Dystopie ist, zeigen sich erschreckende Parallelen zur heutigen sozialen Entgleisung unserer tatsächlichen Gesellschaft. Während im einen Teil der Welt Kinder und Erwachsene wie gemeine Fliegen verrecken, weil sie kein Wasser und keine Nahrung haben, sterben im anderen Teil hunderte Menschen im Jahr an Fettleibigkeit und Überkonsum. Und anstatt uns um die Schwachen der Gesellschaft zu kümmern, berichten dutzende Lifestyle-Magazine über neuste Promiehen und Diäten, während unverdient schwerreiche Geschäftsmagnate immer neue Fresstempel und Shopping-Paradiese aus dem dafür abgeholzten Waldbestand stampfen.

Mich haben an den Bücher weniger die wenngleich wunderschöne, zögerlich entstehende Liebe zwischen Peeta und Katniss, oder die blutigen Gemetzel innerhalb der Arenen mitgerissen, sondern mich haben die Beschreibungen der sozialen Perversität von Panem und seinen Kapitolbewohnern regelrecht angeekelt.

Die Bücher brachte mich auf, jede Seite lies mich weiter blättern, manchmal angewidert, dann wieder entzückt von Katniss‘ und Peetas Geschichte und ihrer beider Gefühle und Vergangenheit.

!VORSICHT: SPOILER!

Nachdem es Katniss und Peeta in Band 1 aus der Arena geschafft haben, leben beide nun in Band 2 wieder mit ihren Familien in Distrikt 12. Doch dem Präsidenten des Kapitols ist Katniss‘ Entkommen ein Dorn im Auge – sie hat seine Macht untergraben und wird langsam im Untergrund immer mehr zum Symbol einer Rebellion. Einer Rebellion gegen das System, das Kapitol, die Hungerspiele. Um Katniss entgültig zu töten, und um zu zeigen, dass auch die eigentlich sicheren Hungerspiel-Sieger nicht unantastbar sind, müssen Katniss und Peeta in Band 2 erneut in die Arena.

Wieder übertreffen die Spiele alle bisher dagewesenen Grausamkeiten – und wieder gelingt es Katniss, sich gegen das Kapitol und den Präsidenten zu behaupten.

Während sie jedoch neue Verbündete findet und beginnt, ihre Rolle als Hoffnungsträger der Rebellion mehr oder weniger perfekt zu spielen, gerät Peeta in die Fänge des Präsidenten. In einer grausamen Final-Schlacht verliert Katniss alles und gewinnt gleichzeitig den Krieg.

Die letzten mehreren Dutzend Seiten des dritten Bandes habe ich bis heute nur verschwommen lesen können, weil mir zu viele Tränen über’s Gesicht laufen. Wer ein Happy-End sucht, wird es mit den Tributen von Panem nur bedingt finden. Ich finde, die Tatsache, dass unsere Wohlstandsgesellschaft auf Opfern und Toten aufgebaut ist, wird in den letzten Sätzen des dritten Bandes deutlicher, als in den meisten anderen Büchern, die ich bisher gelesen habe.

Die Ähnlichkeit zum heutigen Weltgeschehen ist so erschreckend deutlich – und genau das macht für mich den Reiz der Trilogie aus.

Auch wenn bereits sowieso gefühlt jeder die Bücher gelesen hat: Ich spreche hiermit eine ganz, ganz glasklare Kauf- und Leseempfehlung aus. KAUFEN! LESEN! LOS DOCH!

Aber Taschentücher daneben legen!

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5 Kommentare zu „Die Tribute von Panem (Suzanne Collins) – Eine Sammelrezension

  1. Ich muss zugeben, ich habe Panem nie gelesen, weil das was mir vermittelt wurde war „Das ist das neue Twilight!“ – und dann war ich raus aus der Nummer. Von der politischen Seite habe ich es nie gesehen, bzw. wirklich mitbekommen, dass es eine gibt. Die vielen Katpee-Mädchen (hihi) haben mich wohl abgeschreckt. wenn mir mal wieder nach einer Dystopie ist, werde ich mich mal am Bücherregal in der Jugendbuchbibliothek vergreifen – obwohl ich mich jetzt frage, was Panem dort zu suchen hat.

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  2. Ich bin auch ein Quoten-prozent 😛 Das Dumme ist: Mittlerweile bringe ich die Dystopien durcheinander xD Was war Panem, was war Divergent? Fies gesagt: Eine gruslige Zukunftsvision im Jugendgewand, die die WElt trotzdem nich besser machen wird 😦

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    1. Naja, wenn man mal ehrlich ist – mittlerweile gibt es so viele Dystopien, dass die Ideen nicht mehr unbedingt neu ist. Es gibt zwar einige tolle Ausnahmen, die aus der Dystopie-Masse herausstechen, aber viele sind nur noch Einheitsbrei.

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