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Und die Welt stand Kopf (Jo Hess)

 

Unbenannt

Anfang der Woche wollte ich einen Warn-Aufruf schreiben. „Schluss mit dem SuB-Wahnsinn! Gegen den Neukauf! Nieder mit den 0€ Ebooks von Amazon!“

Ich bin froh, dass ich das nicht gemacht habe, denn dann wäre ich jetzt ganz klein mit Hut. Ich sage also, manchmal ist es gut, in einen Kaufrausch zu verfallen und den SuB mit neuem Material zu überhäufen. Getreu dem Motto „Was soll der Geiz, zieh‘ durch die Karte“ habe ich vor kurzem gierig zu geschlagen. Mein SuB ist mittlerweile so riesig, dass er einen eigenen Blog verdient hätte, aber ich kann trotzdem nicht genug bekommen.

Schlimm, schlimm – vor allem, wenn man sich dann zusätzlich noch in den Untiefen der 0€ Ebook Abteilung von Amazon verliert. Unfassbar. Da hält einen nicht mal mehr das schlechte Finanz-Gewissen vom Sündigen ab. Unter den Büchern war auch das zugegeben sehr kurze Ebook von Jo Hess.

„Und die Welt stand Kopf“ hat mich mit seinen nur 43 Seiten komplett umgehauen und ich kann absolut nicht nachvollziehen, warum niemand Geld dafür haben möchte.

Das Buch ist in mehrere Kurzgeschichten unterteilt, die in sich abgeschlossen alle dasselbe Grundthema haben – ein Ereignis, das alles mit einem Schlag verändert.

Dabei ist die Sprache von Jo Hess sehr gradlinig. Da ist nichts verschlungenes, kompliziertes – das Lesen fällt sehr leicht, weil der Autor es leicht macht – was für eine Ironie, verglichen mit der extremen Schwere des Inhalts.

Ich habe mit diesem Buch eine Erfahrung gemacht, die ich gerne an euch weiter gebe. Nicht in der Bahn lesen! Es sei denn, ihr habt generell einen Hang zum öffentlichen Heulen.

Ich habe die erste Kurzgeschichte gelesen, mir nichts dabei gedacht, wollte eben die Zeit zwischen zwei Haltestellen überbrücken. Es fängt seicht an, ein Mann, der morgens mit der Bahn zur Arbeit fährt, dabei die Menschen beobachtet, Zeitung liest. Und dann bumm.

Die Dame auf dem Sitz gegenüber hat mich sogar gefragt, ob alles in Ordnung sei. Ich muss leichenblass geworden sein. Ich hatte Gänsehaut am ganzen Körper, mir war trotz 31 Grad im Wagon eiskalt, ich hatte Tränen in den Augen. Mir stand der Mund offen, ich war fassungslos.

Jo Hess hat mich überrumpelt. Einfach von den Füßen gerissen. Hat mich mit seichten Sätzen unbemerkt immer tiefer in die Geschichte gezogen und mir dann völlig unerwartet vor den Kopf geschlagen. Und obwohl die erste Geschichte nur 3 oder 4 Seiten hatte, konnte ich danach erst mal nicht zur zweiten Geschichte weiter blättern, so betäubt war ich.

Und als ich dann endlich doch so weit war, hat mich diese zweite Geschichte dann noch viel mehr zerstört als die erste.

Dass ich meine Haltestelle verpasst habe, brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

Zu Hause angekommen habe ich dann die restlichen Geschichten gelesen. Alle enthielten eine sehr unerwartete Wendung, aber nicht alle konnten mich so mitnehmen, wie die ersten beiden. Ob das an den Geschichten selbst liegt, oder daran, dass der Anfang des Buches für mich so unfassbar war, dass ich den Rest nicht mehr so richtig aufnehmen konnte, weiß ich nicht.

Was ich weiß, ist allerdings, dass dieses so kleine Buch ein eigentlich ganz großes ist. Und dass ich Jo Hess von nun an im Auge behalten werde.

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Ein Kommentar zu „Und die Welt stand Kopf (Jo Hess)

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