Gedankenschnipsel

Nachtgedanken

2014-07-10 22.41.58

Ich sitze gerade auf meinem Balkon, höre die Grillen zirpsen, den Nachbarn rülpsen und die viel zu lauten Autos vorbei fahren. Heute hatten wir schon gegen 8 Uhr 30 neunundzwanzig Grad im Büro. In meiner Wohnung im fünten Stock ist das gerade nicht viel besser, deswegen sitzen ich, mein Laptop und das Katerkind nun auf dem Balkon und versuchen ein paar kühle Lüftchen zu erhaschen. Gar nicht so einfach. Vor allem nicht mit dem rülpsenden Nachbarn.

Eigentlich sitze ich nicht nur wegen der Hitze hier draußen. Ich möchte die Dämmerung nutzen, denn in letzter Zeit habe ich immer mehr das Gefühl, irgendetwas in mir drängt mich, endlich wieder zum Laptop zu greifen und zu schreiben.

Es gibt da eine Geschichte, die habe ich schon seit Jahren im Kopf. Über all die Zeit ist sie mir zum ständigen Begleiter, zum treuen Freund und Gefährten geworden. Die Charaktere sind mein Fleisch, der Plot mein Blut, die Idee mein Geist. Ich weiß alles, kenne jeden.

Ich will sie schreiben, sie zu Papier bringen, mich im Fluss der Worte verlieren und irgendwann ein fertiges Werk in den Händen halten. Alles, was mich hindert bin ich selbst.

Ich lese so viele tolle Bücher und wünsche mir so sehr, dass ich irgendwann auch mal ein Buch schreibe, dass es dann in Buchhandlungen zu kaufen gibt. Aber dann denke ich, dass das, was ich schreibe, nicht gut genug ist und ich niemals die nötige Disziplin haben werden, meine Geschichte zu beenden.

Und angenommen, das täte ich doch; dann wäre die Geschichte eben zu Ende. Aufgeschrieben. Gelebt.

Entsteht dann ein Loch, ein emotionales Vakuum  – da, wo all die Jahre diese Geschichte in mir war? Werde ich leer sein, verlassen? Wie nach dem Verlust eines geliebten Familienmitgliedes. Einer Trennung nach vielen Jahren Beziehung.

Ich habe auf meinem alten Laptop schon einmal einen ganzen Teil der Geschichte aufgeschrieben. Perfekt formuliert, ewig ausgefeilt. Und dann – Absturz. Gelöscht. Mit ganz viel technischem Können und Fummelarbeit die Datei wieder hergestellt – nächster Absturz – endgültig gelöscht. Sicherungskopie auf externer Festplatte? Nicht mehr da – warum auch immer.

Als hätte es einfach nicht sein sollen, dass ich die Geschichte schreibe.

Und dann, in Nächten wie diesen. Wenn ich vor dem Hintergrund des sterbenden Tages auf meinem Balkon stehe, den dunklen Himmel atme, der nach Gewitter und Sommer riecht, will ich schreiben. Und kann nicht, weil meine Finger von all den Zweifeln gelähmt sind.

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4 Kommentare zu „Nachtgedanken

  1. Mhm, ich denke nicht, dass du dich gelähmt fühlen wirst. Aber das kann ich nur von mir sagen – es wird sich gut anfühlen. Vermutlich wirst du noch Jahre daran arbeiten und nie zufrieden sein (wieder meine Sicht), aber du hast es getan. Das Leben ist zu kurz um deinen Nachbarn beim Verdauen zuzuhören. Und wenn es nur ein wenig, ein kleines, kleines bisschen so gut ist wie dein Blog, hast du immerhin schon eine Leserin gefunden 🙂
    Los jetzt.

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