Rezensionen

Unschuld des Todes (John Burley)

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WENN DER VORHANG FÄLLT

Wintersville, Ohio. Eine beschauliche Kleinstadt, in der das Leben wenig Aufregung verspricht… Doch plötzlich bekommt diese Idylle Risse, als ein Jugendlicher grausam ermordet und verstümmelt wird. Ben Stevenson, der örtliche Pathologe, ist erschüttert, mit welcher Unmenschlichkeit das Verbrechen verübt wurde. Zusammen mit der Polizei versucht er den Täter so schnell wie möglich zu überführen – denn niemand weiß, wann der Mörder wieder zuschlagen könnte. Da wird erneut ein Mädchen angegriffen – und es überlebt. Doch was die Ermittlungen dann ans Tageslicht bringen, ist schlimmer als jeder Albtraum…“

(Rückentext)

 

Diese Woche habe ich mein zweites Rezensionsexemplar des Egmont Lyx Verlages ausgelesen. Als ich es schließlich zuschlug… Nun, „hm“ kann meine Stimmung wohl am besten beschreiben. Für mich teilt sich „Die Unschuld des Todes“ von John Burley in drei Teile, drei Stufen, die ich während des Lesens durchlaufen habe.

Stufe eins beinhaltet etwa drei Viertel des Buches. Die Geschichte beginnt mit dem Mord eines Teenagers, und der wird, ebenso wie alle ähnlichen Handlungen im Rest des Buches sehr brutal, blutig und verstörend beschrieben. Ich habe in letzter Zeit eine Thriller-Phase und lese fast nur solche Bücher und selbst mir blieb ab und an der Mund offen stehen – im positiv grusligen Sinne. Mehr oder weniger schleppend lernt man dann jedoch die Protagonisten kennen, allen voran im Fokus den Pathologen Ben Stevenson, seine Frau Susan, sowie die Söhne Thomas und Joel. Ben begleitet die Polizei bei den Ermittlungen, die sich erst nur um den toten, verstümmelten Teenager drehen, dann aber mit einem weiteren Verbrechen an einem jungen Mädchen noch intensiver werden. Für mich war diese Stufe eins des Buches ein eher zweischneidiges Schwert. Die Gewalttaten aus Sicht des Mörders und der Opfer fand ich unglaublich spannend, und wahnsinnig interessant. Auf der anderen Seite gab es die Ermittlungsarbeiten, Bens Familienleben und Szenen in der Pathologie – alles in allem konnten mich diese Begebenheiten nicht wirklich fesseln, alles kam mir träge und zäh vor. Besonderen Abbruch taten für mich die zahlreichen medizinischen Begriffe, mit denen ich als Laie nichts anzufangen wusste, die aber auch nicht näher erklärt wurden. Ich wusste also nicht, was für Verletzungen genau bei der Autopsie festgestellt wurden, auch wenn zu erkennen war, dass der Autor gerade diese Art und Vielzahl von Verletzungen noch einmal ganz besonders betonen und in Szene setzen wollte. Dieser Effekt ist für mich persönlich aber verpufft, weil ich ganz einfach die Hälfte nicht verstanden habe. Gleichzeitig wurden verschiedene Handlungsstränge geknüpft, die Fährten zu möglichen Tätern legen sollten. Für mich waren diese Szenen störend, weil sie mir wie ein Bruch zur eigentlichen Geschichte vorkamen. Abgesehen davon haben sie für mich persönlich auch nicht viel gebracht, ich hatte den Mörder schon recht früh identifiziert (was eigentlich schade ist).

Stufe zwei des Buches fand ich dagegen schon sehr viel aufregender. Die eigentliche Handlung ist praktisch abgeschlossen, man weiß bereits, wer der Mörder ist, erfährt aber etwas über seine Herkunft und Beweggründe – und auch darüber, dass manche Bewohner der Kleinstadt schon längst über seine Existenz Bescheid wussten. Wie seine psychische Entwicklung zum Mörder-Dasein stattfand, war für mich sehr spannend, da flogen die Seiten nur so dahin. An diesem Teil kann ich auch rein gar nichts aussetzen.

Schließlich gab es Stufe 3, die genau genommen nur ein paar Seiten ganz zum Schluss des Buches beinhaltet. Hier hat der Autor noch mal einige Szenen eingebaut, die mir Gänsehaut gemacht haben und somit ein super Ende für mich darstellen. Meine anfängliche Lethargie und Langeweile waren wie weggewischt. Mit diesem Ausgang der Geschichte könnte ich mir sogar vorstellen, dass es irgendwann einen zweiten Teil geben könnte.

Generell sind mir die Charaktere leider etwas zu farblos geblieben, auch wenn mit den Beschreibungen von Bens und Susans Beziehung einige gute Ansätze vorhanden sind. Zwar sind Unterschiede zwischen den einzelnen Personen erkennbar, aber so wirklich mitgefiebert habe ich mit niemandem. Hier sticht nur der Mörder selbst heraus, der mir mit seiner „Geschichte“ in Stufe zwei sehr viel näher kam und realer für mich wurde.

Schussendlich betrachtet bin ich mir also mit dem Buch etwas unsicher. Es gibt viele tolle, spannende Elemente, die das Buch zu einem wirklich tollen Erlebnis machen – andererseits haben mir die unverständlichen Autopsie-Beschreibungen und die durchsichtigen Hinführungen zu Alternativtätern das Lesen immer wieder verdorben, sodass ich mich auf vielen Seiten ziemlich quälen musste.

Trotz des schleppenden Anfangs kann ich das Buch aber empfehlen, denn wer durchhält, wird mit einem wirklich spannenden Ende belohnt (auch wenn man spannende Enden normalerweise eher VOR der Identifizierung des Mörders erwartet ;))

Da bleibt nur eins: Lest das Buch und entscheidet selber! Ich bin gespannt darauf, ob ihr zu einem ähnlichen Empfinden kommt, wie ich.

Das Buch ist beim Egmont Lyx Verlag mit der ISBN 978-3-802-59373-4 erschienen und kann dort für 9,99€ gekauft werden.

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